Beste Bücher

geschrieben am 20. November 2017 von Hannah in Gelesen

 

Nach einiger Abwesenheit stöbere ich nun wieder selbst in der Buchandlung und bin auf ein paar echte Schätze gestoßen!

 

 

Helge-Ulrike Hyams - Das Alphabet der Kindheit

 

Was ist ein Kind? Was denkt es, was tut, träumt, spielt, spricht, liest es? Aber auch: Was will, kann, darf, muss, soll es?

Das Alphabet der Kindheit gibt keine pädagogischen Ratschläge oder will auf alles eine Anwort haben, es ist ein Hausbuch zum Blättern, Nachschauen, Nachdenken.

Ob Heimweh, Eifersucht, Krankheit, Schulschwänzen oder Schokolade, Glück, Kuscheltier Lügen, Einsamkeit, ­Quälen, Strafen -  zu den Momenten im Leben eines Kindes gibt es schöne Zitate und Beispiele aus der Literatur, Kulturgeschichtliches, erstaunliches aus der Geschichte und der Wissenschaft.. kurz: runde und kluge Texte, die es erlauben zurück in die eigenen Kindheit zu gehen, sich zu erinnern und so auch die eigenen Kinder wieder neu zu verstehen.

Ein ganz und gar zauberhaftes Buch!

 

 

 

 Helge-Ulrike Hyams - Das ABC der Kindheit, Berenberg 2017, 29 Euro.

 

 

Brecht Evens - Panter

 

Was für eine Graphic Novel! Schon lange bin ich Fan von Brecht Evens und seinen großformatigen, kleinteiligen wassermalfarbigen Illustrationen und Panter ist sicher sein bestes Werk was die Bilder angeht.

Es ist so wunderbar dass ich es immer wieder ansehen will und so schaurig dass ich es nie wieder ansehen will (ein echtes Dilemma).

Was als Geschichte einer glücklichen Freundschaft zwischen der kleinen Christine und dem erstaunlichen Panter, Prinz von Panterland, Besucher aus einer anderen Welt deren Zugang in der Kommodenschublade liegt, beginnt, entwickelt sich zunehmend in eine andere, bedrohliche Richtung.

Mit seinen fantastischen Geschichten erschleicht sich Panter das  Vertrauen des kleinen Mädchens und übernimmt allmählich die Kontrolle über ihr Leben. Als schließlich seine skurrilen Freunde nimmt das Ganze  einen gefährlichen Verlauf und das offene Ende entlässt die LeserInnen mit einer grauenhaften Andeutung.

Dabei sind die Grenzen zwischen Phantasie und Realität von Anfang an so verwischt, dass viele Interpretationen möglich sind. Doch schon das erste Unbehagen dass sich nach dem fantasievollen und überbordenen Anfang der Geschichte einschleicht, ist berechtigt und es bleibt nicht nur bei der bösen Vorahnung einer lauernden Gefahr. Wunderschön und verstörend!

 

 

Brecht Evens - Panter. Reprodukt 2016, 39 Euro.

 

 

Daniel Kehlmann - Tyll

 

Ja, auch wir kommen nicht an Kehlmann vorbei.. Und ich muss sagen, nach dem eher schwächeren Roman "F" ist Daniel Kehlmann hier wirklich ein runder, interessanter, bissiger und unterhaltsamer Roman gelungen.

Kehlmann verlegt das Leben Till Eulenspiegels (oder Tyll Ulenspiegels) kurzerhand in die Zeit des dreißigjährigen Krieges. Dieser Kniff erlaubt ihm ganz disparate Episoden und eine Fülle historischen Personals am Leben des Tylls entlang miteinander zu verknüpfen.

Auf dessen Wegen durch das vom Dreißigjährigen Krieg verheerte Land begegnen die LeserInnen vielen kleinen Leuten und einigen der sogenannten Großen: dem jungen Gelehrten und Schriftsteller Martin von Wolkenstein, der für sein Leben gern den Krieg kennenlernen möchte, dem melancholischen Henker Tilman und Pirmin, dem Jongleur, dem sprechenden Esel Origines, dem exilierten Königspaar Elizabeth und Friedrich von Böhmen, deren Ungeschick den Krieg einst ausgelöst hat, dem Arzt Paul Fleming, der den absonderlichen Plan verfolgt, Gedichte auf Deutsch zu schreiben, dem fanatischen Jesuiten Tesimond und dem Weltweisen Athanasius Kircher, dessen größtes Geheimnis darin besteht, dass er seine aufsehenerregenden Versuchsergebnisse erschwindelt und erfunden hat. Ihre Schicksale verbinden sich zu einem Zeitgewebe, zum Epos vom Dreißigjährigen Krieg.

Die Sprache ist geschliffen, vom Stil wechselt Kehlmann zwischen großer Erzählung, zarter Innensicht, Wissenschaftsparodie und Märchen. Dabei bleibt die sprachliche Brillianz nicht an der Oberfläche, das Buch ist spannend, anschaulich, tiefgängig und macht richtig Spaß.

 

 

 Daniel Kehlmann - Tyll. Rowohlt 2017, 22,95 Euro.

 

 

 

Cynthia Rylant - Leben

 

Ein nun wirklich wunderschönde Bilderbuch, das Leben aus der Sicht der Tiere. Mal birgt es Gefahren und man muss lernen mit Widrigkeiten umzugehen. Mal erscheint es behaglich und sicher - und immer ist es lebenswert.

Die Illustrationen zu den kurzen, philosophischen Texten stammen von Brendan Wenzel.

 

 

Cynthia Rylant/Brendan Wenzel - Leben. NordSüd 16 Euro

 

 

 

 

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