Chris Adrian - Die große Nacht

geschrieben am 21. September 2012 von Hannah in Gelesen

Cover "The great night"

es ist ein wunderbares Buch!

Als "Sommernachtstraum neu erzählt" angepriesen hatte ich eine Menge Liebeszauber, Elfen und Esel erwartet. Die Elfen spielen schon ihre Rolle und es kommt am Ende zu einem großen Spektakel, aber eigentlich geht es um etwas ganz anderes:

In der großen Nacht kreutzen sich die Wege dreier Menschen - alle aus unterschiedlichen Gründen von schlimmem Liebesleiden geplagt – und der Elfenkönigin Titania, die eigentlich mit ihrem Hofstaat das Mittsommernachtsfest feiern sollte.

Doch Titania ist in Trauer: ihr Kind, ein Menschenjunge, ist gestorben und ihr Mann Oberon hat sie verlassen. Die Schilderung der Elfenkönige, die in einem Krankenhaus dem Leukämietod ihres Sohnes hilflos zusehen müssen, deren Zauberkraft und Unsterblichkeit an der Profanität dieses Ortes keine Wirkmacht hat, ist unendlich anrührend.

Wie in dieser gelingt es Adrian in vielen Szenen, den Einbruch von Magie ins menschliche Leben zum einen als ganz folgerichtig darzustellen, zum anderen an den so entstehenden Brüchen klug, sensibel und komisch über grundlegende menschliche Fragen zu schreiben: Wie umgehen mit Trauer und Tod? Was bedeutet es einen anderen Menschen zu lieben? Wie viele Kompromisse gehen wir dafür ein?

Die Handlung wechselt zwischen den Geschehnissen der großen Nacht (die immer wilder wird, nachdem Titania aus lauter Unglück und Überdruss den Bann vom dämonischen Puck hebt), und den in der Rückschau erzählten Liebesgeschichten der drei im Park Verirrten. Und zwischen ihrem Liebesunglück und dem Elfenstaat unter dem Park scheint es eine Verbindung zu geben

Es macht wirklich einfach nur Spaß die Geschichte dieser wilden Nacht zu lesen.

Chris Adrian - Die große Nacht, Rowohlt 2012, 442 Seiten, 14.95 €
Chris Adrian - The great Night, Granta Books 2012, 304 Seiten, 12,00 €

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