Dominique Manotti

geschrieben am 24. September 2012 von Hannah in Gelesen

Cover Manotti Assoziation A

Ich habe eine schwarze Sicht auf die Dinge, weil ich glaube, dass meine Generation die sozialen Veränderungen, von denen ich träumte, nicht mehr erleben wird.


Wir sind ja immer sehr bemüht darum uns gut mit unseren Büchern auszukennen, damit wir etwas zu ihnen erzählen können und das richtige Buch finden wenn jemand sucht. Ein kleines Manko haben wir da bei den Krimis, die wir beide nicht exzessiv viel lesen. Daher sind wir erstens immer dankbar für Tipps und zweitens immer hocherfreut wenn uns ein Krimi anspricht und gefällt.

Schon vor einiger Zeit ist mir die französische Schriftstellerin Dominique Manotti in dieser Hinsicht aufgefallen. Manotti begann erst mit 50 Jahren zu schreiben, vorher war sie politisch engagiert und begreift sich als Rätekommunistin in der Tradition von Gramsci und Rosa Luxemburg. Manotti studierte Geschichtswissenschaften, war einige Jahre Generalsekretärin einer französischen Gewerkschaft und wandte sich in den 80er Jahren desillusioniert von der Politik ab, um ihre politische Überzeugungen fürderhin in ihre Romane einfließen zu lassen. Nicht die schlechteste Wendung, zumindest für ihre Leserschar.

Die Themen Manottis umfassen den Streik der türkischen "Sans Papiers" im Pariser Textilviertel Sentier, den Manotti damals als Unterhändlerin der Gewerkschaft beteiligt war (Hartes Pflaster) oder die erschreckende Lage unterbezahlter Hilfsarbeiter in französischen Firmen, deren Leben und Schicksale rücksichtslos von den Interessen der Manager aufs Spiel gesetzt werden (Letzte Schicht). Es geht um Waffendeals der Regierung Mitterands, eine Geiselbefreiung und die tiefverwurzelten Korruption der politischen Klasse (Roter Glamour) und um die Proteste der Jugendlichen in den Banlieus und das harte Durchgreifen der damaligen Regierung Sarkozy (Einschlägig bekannt).

Ihr Stil ist dabei knapp und präzise, sehr dicht und ganz ohne Ausschmückungen oder Erklärungen. Das kann teilweise auch etwas schwierig sein, weil man immer aufpassen muss nichts zu verpassen und den komplexen Handlungen genau folgen muss. Lesenswert sind die Bücher aber vorallem, weil klar ist dass Dominique Manotti weiß, wovon sie schreibt. Wie eine journalistische Reportage schildern ihre Bücher die politischen und sozialen Zustände in Frankreich, die knallharten Mechanismen von Politik, Medien, Wirtschaft und innerhalb der französischen Polizei.

Alle Bücher sind in dem kleinen Berliner Verlag Assoziation A erschienen, gerade gibt es zwei weitere Neuerscheinungen.
"Das schwarze Korps" spielt im von den deutschen besetzten Paris nur Tage vor der großen Invasion der Allierten an der Küste der Normandie. Die französiche Polizei, die deutsche SS, Vertreter der Kollaborationsregierung und die obere Pariser Gesellschaft, die sich in der Besatzung alle ganz gut eingerichtet haben, versuchen nach und nach ihre Pfründe in Sicherheit zu bringen und gehen dabei über Leichen.

Die "Ehrenwerte Gesellschaft", in Zusammenarbeit mit DOA (death on arrival) geschrieben, nimmt die französische Atomindustrie und den Wahlkampf eines kleinen Präsidentschaftskandidaten, der durchaus an Monsieur Sarkozy erinnert, als Hintergrund für einen spannenden Ökothriller.

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