Kirsten Boie - Entführung mit Jagdleopard

geschrieben am 11. November 2015 von Hannah in Gelesen

Cover Ben Lerner 10:04

 

 

Die Kinder- und Jugendbuchabteilung in der Buchkönigin ist uns sehr wichtig und wir erfreuen uns an vielen lustigen, schönen, niedlichen Bilderbüchern. 

Auch bei den Büchern für Ältere müssen wir natürlich auf dem neuesten Stand sein, oft genügt uns - wir sind ja Profis - da aber ehrlicherweise ein kürzerer Blick ins Buch: einmal anlesen, noch ein paar Seiten in der Mitte und am Ende und dann haben wir oft schon einen ganz guten Eindruck wie wir den Titel einschätzen können.

 

Das heißt natürlich nicht, dass wir nicht ab und an Neuerscheinungen aus diesem Bereich ganz durchlesen: vor ein paar Tagen habe ich mich in dem neuesten Buch der renommierten Kinder-und Jugendbuchautorin Kirsten Boie festgelesen und hatte es dann auch in einem Rutsch durch.

 

Bei der zehnjährigen Jamie-Lee herrscht zu Hause das Chaos. Ihre Mutter liegt meist sturzbetrunken auf dem Sofa und Baron Chuck, ihr älterer Bruder, nimmt es mit dem Gesetz nicht so genau.

Da ihre geliebte Oma, 48 Jahre alt und immer ladylike in Pink, mit ihrem neuen Geliebten nach Polen reisen will, das Jugendamt dies aber nicht mitbekommen darf, verfrachten sie Jamie-Lees Mutter kurzerhand in den Entzug. Das passt Jamie-Lee im Grunde recht gut, hatte sie doch vor mit ihrer besten Freundin Ebru etwas wirklich Großes zu vollbringen und die Welt vor einer Umweltkatastrophe zu retten.

Als sie aber vor dem Einkaufzentrum die weinende Milliardärstochter Fee trifft, beschließt sie ihr zu helfen. Die moppelige Fee soll in ein Internat, um abzuspecken und die beiden verstecken sich kurzerhand in der nun ja erwachsenenfreien Wohnung. Es kommt allerdings zu einigen Verwicklungen als Jamie-Lee auch noch dem obdachlosen Herrn Wildeck und seinem alten, rheumakranken Jagdleoparden Unterschlupf gewährt..


Und so geht es munter weiter mit allerlei aufregenden Erlebnissen, haarscharf geretteten Situationen, Verfolgungsjagden und improvisierten Lösungen bis am Ende alles gut wird.

 

Wirklich Spaß macht das Buch aber wegen Jamie-Lee, die aus der Ich-Perspektive die ganze Geschichte erzählt und in naiv-altkluger Art versucht aus ihrer Umgebung schlau zu werden. Und ja, schon klar, die Familie gehört der unteren Gesellschaftsschicht an, sie leben ganz selbstverständlich vom Amt und Jamie-Lee isst mittags am liebsten Chips. Das wird aber ganz unverstellt, ohne Sozialkitsch oder erklärenden Unterton dargestellt. Und das ist schon eine Kunst, denn wenn es darum geht die Unterschicht - sozial schwach aber doch das Herz am rechten Fleck - zu zeigen kann die Tonlage schonmal ins Kitschige oder Nervige abgleiten.

 

Bei Kirsten Boie klingt das aber eher so:

 

"Ich heiß Jamie-Lee", hab ich gesagt und aufs Sofa gezeigt. "Jetzt erzähl mal!" "Jamie-Lee?", hat sie gefragt und die Augen zusammengekniffen. Wieso sich eine, die Fee heißt, über so einen vollkommen normalen Namen wundern konnte, hab ich nicht begriffen.

 

Ich glaube dass Kinder sich gut mit dieser Stimme identifizieren können und so auch die verrückten  Wendungen in der Geschichte glaubhaft werden.

Ein wirklich witziges Buch für Kinder ab 10 Jahre, das sicherlich auch beim Vorlesen großen Spaß macht.

 

Kirsten Boie - Entführung mit Jagdleopard. Oetinger 2015, 12,99 €.

 

 

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