Neuerscheinungen im Frühjahr, Teil 1

geschrieben am 03. Februar 2015 von Hannah in Gelesen

Stapel Bücher

 

Aus buchhändlerischer Perspektive sind ja nicht nur die Monate November und Dezember (klar, Weihnachten), sondern auch noch der Januar recht arbeitsintensive Monate. Denn mit dem Dezember kommt nicht nur die Weihnachtskundschaft in Strömen, es laufen auch täglich Verlagsprogramme an, die ihre Frühjahrsneuerscheinungen vorstellen und anpreisen.

Mitte Januar geht es dann auf die Vertreterbörse (so eine Art Speeddating, 30 Minuten für die jeweiligen VertreterInnen und ihre Verlage) und damit ist dann ein Großteil des Einkaufs geschafft.

Das liegt nun also bereits hinter uns, die Verlagsvorschauen sind natürlich ohnehin sorgfältig durchgesehen und da kann man sich schon auf einiges freuen!

 

Ein tolles Programm hat (mal wieder) der Hanser Verlag, mit gleich drei Top-Titeln die alle vor einer Woche erschienen sind: 

Ein neuer Roman von T.C. Boyle – Hart auf Hart, Hanser 22,90 €  (The harder they come, Bloomsbury, 16,95 €). Die englische Ausgabe erscheint leider und seltsam, erst im März, darauf fiebere ich aber schon hin. Denn der neue Boyle hört sich nach einem richtig guten Boyle an (ist ja nicht immer so). Der Klappentext ist zumindest schon mal vielversprechend: 

Absoluter Freiheitsanspruch und Verfolgungswahn - T. C. Boyle erkundet in seinem neuen Roman die dunkle Seite der USA. Adam, den seine Eltern nach etlichen Schulverweisen und Therapiesitzungen aufgegeben haben, ist eine wandelnde Zeitbombe: In der Wildnis, wo er ein Schlafmohnfeld angelegt hat, führt er ein Einsiedlerleben und hortet Waffen gegen imaginäre Feinde. Aber es gibt jemanden, der sich in ihn verliebt. Sara hat ebenfalls ausreichend Feindbilder: Spießertum, Globalisierung, Verschwörer und die Staatsgewalt. Als sie Adam am Straßenrand aufgabelt, beginnt eine leidenschaftlich  Liaison. Doch bald merkt Sara, dass Adam es ernst meint mit den Feinden, sehr ernst.

 

Bereits gelesen habe ich Sibylle Berg – Der Tag an dem meine Frau einen Mann fand, Hanser 19,90 €. Eine Dreiecksgeschichte um gelangweiltes aber eigentlich recht glückliches Paar, das sich mit den gegenseitigen Unzulänglickeiten abgefunden hat, wird durch eine unerwartete und passionierte Urlaubsaffäre aufgemischt – höchstes Glück und tiefstes Unglück! Niemand kann so böse schreiben wie Frau Berg, für die Lektüre braucht es entweder eine gewisse emotionale Stabilität oder aber die Freude daran dass es Anderen auch nicht besser geht. 

 

Ebenfalls bereits gelesen und zwar in einem Rutsch: Teju Cole – Jeder Tag gehört dem Dieb, Hanser 18,90 € ( Every day is for the Thieve, Faber & Faber, 10,30 €). Wie in seinem ersten auf deutsch erschienenen Buch „Open City“ (Suhrkamp, 2013) erzählt „Jeder Tag gehört dem Dieb“ keine eigentliche Geschichte. Wie zuvor New York durchschreitet der Erzähler hier eine andere Megacity: Lagos in Nigeria, die Heimatstadt Coles bevor er sie vor fast 20 Jahren in Richtung USA verließ. Auch der Erzähler ist ein Rückkehrer, das Buch eine literarische Reportage über die verlassene Heimatstadt, ihre Strassen, Menschen, Geschichten. Im Original erschien „Jeder Tag gehört dem Dieb“ schon 2007, weshalb in Coles Portrait die aktuellen Ereignisse, der Terror der  Boko Haram, keine Erwähnung findet. Ein wunderschöner, fließender und klug beobachteter Text. 

 

Eine schöne Neuerscheinung gibt es seit einigen Tagen auch im Rowohlt Verlag: Jochen Distelmeyer – Otis, 19,95 €. Nach eigenen Worten des Blumfeldsängers (Interview in der aktuellen Spex) ein Unterhaltungs- und Liebesroman, und ein Berlinroman: 

Ich hatte den Eindruck, dass die Berlin-Romane, von denen so die Rede war, die Stadt vielleicht nicht angemessen dargestellt haben. Mir ging es nicht um eine Prekariats-Slacker-Geschichte, in der sich die Tristesse der Person in der Kaputtheit der Stadt widerspiegelt. Die Herzlichkeit der Leute, das Großzügige der Stadt, der Himmel, das Licht und die Luft. Das wollte ich einfangen und feiern.

 

Bei Rowohlt darf man sich noch auf zwei weitere Titel freuen:  Rachel Kushner – Flammewerfer, 22,95 €, erscheint am 06.März. Auf englisch bereits erschienen The Flamethrowers, Random House UK, 10,30. Da wird sicher eine Rezension von Nina folgen, die ganz begeistert war. 

 

Begeisterung hat ebenfalls hervorgerufen der neue Roman von Siri Hustvedt - Die gleißende Welt, (22,95 €, ab 24. April im Handel), den es bereits seit Anfang letzten Jahres auf englisch gibt, The blazing World, Simon and Schuster, 14,05 €. 

In Form einer wissenschaftlichen Abhandlung über einen Kunstskandal im New York der 70er Jahre besteht der Roman aus einer Sammlung von Interviews, Essays, Artikeln und Briefen: hat die belächelte Gattin eines bekannten Galeristen nach dessem Tod wirklich die von ihr neu entdeckten und kurierten Meisterwerke dreier männlicher Künstler selbt erschaffen? Ein wunderbarer Roman über eine schillernde Frau, Mysoginie in Kunstkreisen und eine erbitterte Feindschaft zweier Genies. Eine längere Rezension wird hier noch folgen!

 

 

 

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