Neuerscheinungen - ein paar Tipps kurz vor der Messe

geschrieben am 13. März 2018 von Nina in Gelesen

Kaum ist das Weihnachtsgeschäft geschafft, heißt es für uns Buchhändlerinnen schon wieder: neue Titel für das Frühjahr sichten, einkaufen und natürlich lesen, lesen, lesen.

Das Pensum ist immer recht hoch, oft ist das Lesen dann auch nur noch Arbeit, umso größer dann die Freude, wenn tolle neue Bücher dabei sind. Hier einige meiner Favoriten:

 

Deborah Levy, Heiße Milch, Kiepenheuer & Witsch Verlag

Deborah Levy wollte ich längst mal gelesen haben, hätte ich auch mal tun sollen: eine großartige Schriftstellerin. „Heiße Milch“ ist eine intensiv erzählte Mutter-Tochter-Geschichte. Ich bin ganz begeistert von Levys Schreibstil, durch Auslassung und Verdichtung der Sprache erzeugt diese Autorin einen starken Erzählsog, dem ich mich nicht entziehen konnte. Toll, habe gleich noch einen Band mit Kurzgeschichten gelesen, „Black Vodka“, auch empfehlenswert!

 

 

 

 

 

Daniel Galera, So enden wir, Suhrkamp Verlag

Ein furchtbares Cover und ich weiß gar nicht, warum ich das Buch überhaupt angefangen habe zu lesen. Irgendwie bin ich reingestolpert und finde es absolut gut! Zeitgenössische Literatur wie sie sein sollte: direkt, klar und ganz in der Gegenwart. Kunstvoll verwebt Galera die Geschichten seiner ProtagonistInnen zu einem Bild von der Jugend in den neunziger Jahre bis zum, mehr oder geregelten, (Arbeits-) Alltag der Mittdreißiger von heute. Hört sich furchtbar an, macht aber großen Spaß! Weil es ernsthaft und mit großer Klarheit geschrieben ist. Ein toller brasilianischer Autor der schon mit seinem Roman "Flut" für einiges Aufsehen gesorgt hat.

 

 

 

 

Sasha Marianna Salzmann, Außer sich, Suhrkamp Verlag

Unglaublich! Ich wollte dieses Buch doch längst hier erwähnen! Es ist jetzt schon einige Monte her, dass ich es gelesen habe, aber ich muss es allen nochmal ans Herz legen – lest dieses Buch! Ein absolutes Buchköniginnen-Buch, das alles sein kann: Liebesgeschichte, historischer Roman, Familiengeschichte, Geschichte einer Selbstfindung, Geschichte einer Selbstaufgabe, einer Metamorphose und noch so vieles mehr. Ich bin nachhaltig beeindruckt von diesem Stück Gegenwartsliteratur!

 

 

 

 

 

Bettina Wilpert, nichts, was uns passiert, Verbrecher Verlag

Ebenfalls ein Buch, das, wie ich finde, in unser Sortiment passt. Bettina Wilpert erzählt die Geschichte einer Vergewaltigung wie ich es in dieser Form noch nicht gelesen habe, Die Autorin lässt alle Menschen im Umfeld der Protagonistin ihre Version des Vorgefallenen erzählen. Das öffnet interessante und teilweise verstörende Perspektiven. Die unterschiedlichen Stimmen fügen sich zu keinem homogenen Bild zusammen, gerade das macht den Reiz dieses Texts für mich aus. Das ist kein reißerisch-voyeuristisch geschriebenes Buch, das ist ein Stück feministische Literatur das zum Nachdenken und Weiterreden anregt! Lesenswert!