Zwei Schmöker für den Herbst

geschrieben am 02. November 2015 von Nina in Gelesen

Manchmal passiert das: gute Bücher gehen in der Masse der Neuerscheinungen einfach unter. Rachel Kushners "Flammenwerfer" ist schon im Frühjahr erschienen, und wurde kaum wahrgenommen.  Alaa Al-Aswani ist erst vor einigen Wochen erschienen, aber ich fürchte, auch dieser Titel wird kaum besprochen werden. Darum hier meine Tipps:

 

Der Automobilclub von Kairo von Alaa Al-Aswani

Endlich ein neues Buch von Alaa Al-Aswani! Hierzulande ist Al-Aswani vielen kein Begriff, er wird jedoch als einer der wichtigsten zeitgenössischen Autoren Ägyptens bezeichnet und sowohl seine Romane als auch seine politischen Essays und Kommentare werden über Ägyptens Grenzen hinaus hoch geschätzt und international veröffentlicht.

Ich habe diesen Autor schon vor Jahren für mich entdeckt, und sein Roman „Der Jakubijan-Bau“ ist nach wie vor eines meiner Lieblingsbücher. Entsprechend hoch waren meine Erwartungen, und sie wurden nicht enttäuscht.

Der Automobilclub von Kairo ist ein großer und äußerst unterhaltsamer Roman über das Kairo der 50er Jahre. Ein Buch über Familie, über die Liebe, über Äypten und die Ägypter. Die Geschichten sind, ganz im Stile der anderen Bücher von Al-Aswani, ausufernd und üppig erzählt. Persönliches vermischt sich mit Politischem. Eine schier endlose Zahl von ProtaginstInnen lässt dieses Buch zu einem interessanten und buntem Stück Geschichte der arabischen Welt zu Zeit der letzten Phase der englischen und königlichen Herrschaft werden.

Al-Aswani, Der Automobilclub von Kairo, S.Fischer 24,99€

 

 

Flammenwerfer von Rachel Kushner

Zugegebenermaßen muss ich sagen, dass ich die ersten Seiten dieses Romans nicht besonders gut fand und das Buch erstmal wieder beiseite gelegt habe, da ich die recht ausführlichen Beschreibungen der großen Leidenschaft der Hauptperson Reno (Anfang 20, gerade ihr Kunststudium beendet) nicht gerade aufregend fand: Reno ist begeisterte Motorradfahrerin und fährt gerne schnell und riskant, was sie schließlich zu einem der legendären Salt Lake Rennen führt.

Da ich mich nicht für Motorsport, insbesondere für Motorräder erwärmen kann, waren mir diese Stellen des Romans teilweise etwas mühsam zu lesen. Gleichzeitig wird jedoch auch die Geschichte von Reno und ihrem älteren Liebhaber Sandro Valera erzählt und das hat mich dann doch gepackt. Valera enstammt einer italienischen Reifen -und Motorraddynastie, hat aber schon vor Jahren mit seiner Familie gebrochen und lebt als wohlhabender Erbe ein Leben als erfolgreicher Konzeptkünstler in New York.

Die beiden werden schnell zu einem gern gesehenen Paar in der New Yorker Künstler- und Galeristenszene. Die hübsche, junge und etwas zurückhaltende Reno und der exzentrische und offensive Sandro - es macht Spaß mit den beiden durch das New York der späten 1970er zu ziehen.

Schließlich landen die beiden dann aber doch in Italien und Reno findet sich in einer ihr völligen fremden Welt wieder. Der Reichtum und das mondäne Leben in dem Palazzo am Comer See, die unnahbare und harte Mutter der Valeras überfordern die junge Amerikanerin. Als sie unter turbulenten Umständen Sandro verlässt findet sie sich unversehens inmitten einer kommunistischen Gruppe und den Aufständischen der roten Brigaden wieder....

Ich mochte das Buch, die Geschichte hat mich gepackt und die die ProtagonistInnen waren mir nach einer Weile wirklich nah und vertraut. In jedem Fall große Unterhaltung, geschrieben in bester amerikanischer Erzähltradition!


Rachel Kushner, Flammenwerfer, Rowohlt 22,95€

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