Gaito Gasdanow

geschrieben am 11. März 2016 von Hannah in Gelesen

Cover Gasdanow "Die Rückkehr des Buddha"

 

 

Der russische Schriftsteller Gaito Gasdanow erlebt seit einigen Jahren in Russland eine Renaissance und wird nun auch bei uns entdeckt, dank des Hanser Verlags der seit 2012 nach und nach die Werke dieses lang vergessenen Schriftstellers in deutscher Übersetzung herausbringt.

Gasdanow wurde 1903 in St. Petersburg geboren, er kämpfte im russischen Bürgerkrieg gegen die Bolschewisten und gelangte 1923 ins Exil nach Paris. Dort begann er schon bald in literarischen Magazinen zu veröffentlichen, erreichte trotz literarischen Lobs allerdings nie eine größere Bekanntheit. Wohl auch weil er, im Gegensatz zu anderen Emigranten wie zum Beispiel Vladimir Nabokov, weiterhin auf russisch schrieb.

 

In jedem Fall sind die drei kurzen Romane, die bisher auf deutsch erschienen sind, eine richtig tolle literarische Entdeckung!

 

Sie sind wunderbar elegant geschrieben in einem geschliffenen, nüchternen Stil, kein Wort sitzt an der falschen Stelle. Zudem von einer psychologischen Tiefe und Analyse, die sich ruhig entfaltet ohne aufdringlich zu sein. Es sind richtige kleine Juwelen in Komposition und Stil und die Stimme des Erzählers (bisher erscheint in jedem Roman ein Ich-Erzähler) wird beim Lesen zu der eines vertrauten Freundes.

In jedem der drei bisher erschienen Romane, "Das Phantom des Alexander Wolf", "Ein Abend bei Claire" und "Die Rückkehr des Buddhas" ist der Ich-Erzähler ein junger Mann, der einsam, oft melancholisch, durch die Straßen von  Paris streift. Seine (innere) Erzählung oszilliert dabei zwischen Gegenwart und Vergangenheit, am notorischsten ist dies in "Das Phantom des Alexander Wolf". Ausgehend von einem lebensprägenden Erlebnis in den Tagen des russischen Bürgerkrieges entwickelt sich eine spannende Geschichte um Identität, Liebe und die Frage ob ein Leben seine scheinbar festgeschriebenen Bahnen verlassen kann.

„Von allen meinen Erinnerungen, von all den unzähligen Empfindungen meines Lebens war die bedrückendste die Erinnerung an den einzigen Mord, den ich begangen habe“, so lautetder erste Satz. Die Szene spielt russischen Bürgerkrieg, an dem der damals Sechzehnjährige Ich-Erzähler teilnimmt. In einem einsamen Wald erschießt er einen fremden Verlfolger und trägt von nun an die Erinnerung an diesen Tag mit sich. Bis ihm viele Jahre später das Buch eines englischen Autors namens Alexander Wolf in die Hände fällt, das unter drei Novellen auch eine enthält, die jenen Schusswechsel im Bürgerkrieg schildert. Allerdings aus umgekehrter Perspektive: Es ist der detailgetreue Bericht des damaligen Opfers...

Die Erzählung hat neben den bereits erwähnten psychologischen Motiven auch ein klares kriminalistisches Element. Das gilt auch für die letzte Veröffentlichung "Die Rückkehr des Buddhas", in dem Gasdanow von der neu aufkommenden Gattung des Roman Noir beeinflusst wurde. Auch die Romane Dostojewskijs sind ein klarer Bezugspunkt für Gasdanows Schreiben.

 

Es ist egal für welchen der drei Romane man sich entscheidet, aber es lohnt sich entschieden sie alle zu lesen! Die Romane wurden übersetzt von Rosemarie Tiezte und zu recht hoch gelobt.

 

Gaito Gasdanow - Das Phantom des Alexander Wolf. Dtv 2014, 9,90 €.

Gaito Gasdanow - Ein Abend bei Claire. Dtv 2015, 9,90 €.

Gaito Gasdanow - Die Rückkehr des Buddha. Hanser 2016, 19,90€.

 

 

 

 

 

 

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