Lily Brett, Lola Bensky

geschrieben am 28. September 2012 von Nina in Gelesen

Buchcover: Lily Brett, Lola Bensky

Soweit der Klappentext zu Lily Bretts neuem Buch Lola Benksy. Ehrlich gesagt, habe ich das Buch mehr aus der Not und mangels Alternativen an einem Freitag Abend aus dem Laden mit nach Hause genommen, und gar nicht weiter auf den Klappentext geachtet. Hätte ich es getan, hätte ich es möglicherweise stehengelassen.

Aber selten hat es ein Buch geschafft, mich von der ersten Seite und mit den ersten Sätzen so zu begeistern. Die Eingangsszene ist großartig, und den darin angeschlagene Ton hält Lily Brett konsequent bei.

Wer die Bücher von Lily Brett kennt, weiß, das all Ihre Bücher stark autobiografisch gefärbt sind, dieses hier ist jedoch am Nächsten an Ihrer eigenen Person und Geschichte.

Erzählt wird die Geschichte einer jungen Frau, Lola Bensky, die als Journalistin aus Australien einige Zeit erst in England und dann in den USA, genauer in New York arbeitet und lebt. Lola ist hinreißende, weil oft hilflos und überfordert, aber auch entschlossen wirkende Person. Sie begegnet, in ihrer Funktion als Journalistin für ein australisches Musikmagazin, unablässig oder (aufkommenden) Stars der frühen 1960er Jahre. Jimi Hendrix, Jim Morrison, Mick Jagger, Janis Joplin um nur einige zu nennen, spielen in dem Buch eine nicht ganz unwesentliche Rolle.

Die Gespräche, die Lola mit den jungen Stars führt, sind mehr als nur Interviews, häufig werden die Themen sehr persönlich und fast intim, was Lola aus der Fassung bringt obwohl sie diejenige ist, die diese persönliche Note in die Gespräche bringt. Immer wieder stolpert sie, wie zufällig in Themen die die Familie oder die eigene Selbstwahrnehmung betreffen, Themen, die sie und ihr ganz Leben prägten und prägen. Wie zufällig dann auch immer wieder die Anmerkung zu Ihren Eltern: Überlebende des Holocaust und letztlich Opfer der Shoa. Dieses Thema ist das Zentrale in Lolas Gedankenwelt und somit eines der zentralen Themen des Buches. Dabei versteht Lily Brett es die Geschichte manchmal innerhalb weniger Sätze zu drehen. Was gerade noch ein unbeschwert wirkendes Gespräch mit Jimi Hendrix war ist plötzlich ein Erinnnerungsfluss von Erzählungen der Eltern und deren oft detailierten Darstellungen ihrer Erlebnisse.

So wird aus der Geschichte um Lola Bensky ein Erinnerungsroman auf mehreren Ebenen und gleich mindestens zwei Stücke Zeitgeschichte werden beschrieben, die sonst möglicherweise nicht im direkten Zusammenhang erzählt werden.

Ich habe das Buch mit großer Begeisterung gelesen. Lola führt ein bewegtes Leben. Ihre innere Welt ist gerade durch den zur Realität konträren Verlauf eine Innensicht eines Menschen, der das Schicksal seiner Eltern für immer eingebrannt in sich trägt. Ein Buch, das Spaß macht und gleichzeitig zum Nachdenken und Erinnern anregt.

Lily Brett, Lola Bensky
Suhrkamp / Insel 2012, 19,95€

Diesen Artikel teilen: